CHRONIK ZUR GESCHICHTE DER (MÄNNLICHEN) HOMOSEXUALITÄT IN KÖLN


 

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MITTELALTER UND FRÜHE NEUZEIT 

 

1232 (oder 1233) Vor der Kölner Bevölkerung legt ein Ketzer namens Lepzet ein Geständnis über die Rituale einer bis dahin unbekannten, den Katharern zugerechneten Sekte ab. Zum Aufnahmezeremoniell gehören anal-erotische und gleichgeschlechtliche sexuelle Handlungen. Die Sekte hält Sodomie (d. h. hier: Homosexualität beider Geschlechter) für "erlaubt und frei von jeder Sünde".

 

1431 Der Geselle Peter Otte beschwert sich über die Salzmesser, die das Salz auf den Rheinschiffen verkaufen. Sie hätten ihn niedergeworfen und sein "Gemächte" so lange durchgewalkt, bis ihm schlecht geworden sei. Anschließend hätten sie ihm unter unzüchtigen Bemerkungen einen Gewürznagel in den Mund gesteckt. Die Salzmesser geben alles zu und behaupten, dass es zu ihren guten alten Rechten und Gewohnheiten gehöre, so mit Gesellen zu verfahren.

 

1459 In Brügge (Belgien) wird während einer systematischen Homosexuellenverfolgung Anthoine de Coulogne (Anton aus Köln) als "sodomien" verhaftet, an einen Schandpfahl gebunden und verbrannt.

 

1482 oder 1483 Johann Greveroide, Kaufmann und Ratsherr aus Köln, stirbt; nach seinem Tod wird bekannt, dass er jahrelang junge Männer in seine Kammer am Heumarkt gelockt hatte, um sie dort sexuell zu belästigen und zu bedrängen. Die vom Kölner Rat angestellten Untersuchungen decken eine "faule Gesellschaft am Heumarkt" auf. Der Pfarrer von Klein-St. Martin, zu dessen Pfarrei das Gebiet am Heumarkt gehört, gibt an, dass etwa 200 Männer in Köln mit der "unaussprechlichen, stummen Sünde" befleckt seien. Um einen Skandal zu vermeiden werden die Untersuchungen nach kurzer Zeit eingestellt.

 

1484 Im Zusammenhang mit den Untersuchungen gegen Johann Greveroide werden Ermittlungen gegen Seger, einen Seidenfärber, angestellt. Er steht im Ruf, "dass er ebenso gerne bei einem Mann schlafe wie bei einer Frau".

 

1500 Jakob (der Geck) Hondenthois strengt eine Klage an gegen den Weinkäufer Kruysgin. Dieser habe ihn auf einer öffentlichen Latrine angesprochen, mit in sein Haus genommen und ihm dort "seinen zerss" (Penis) "in das hinderste" gestoßen. Über den Ausgang des Prozesses ist nichts bekannt.

 

1532 Die Halsgerichtsordnung Kaiser Karls V. ("Carolina") legt fest: "So Mann mit Mann, Weib mit Weib, Mensch mit Vieh Unkeuschheit treibet, die haben auch das Leben verwirket und man soll sie der gemeinen Gewohnheit nach mit dem Feuer vom Leben zum Tode richten." Die Carolina ist das bis zum Ende des 18. Jh. das für Deutschland gültige Strafrecht. Wie weit es in die juristische Praxis tatsächlich bestimmt hat, ist noch nicht erforscht. Statt des Feuertods wird manchmal auf Tod durch das Schwert erkannt; bei nicht vollendeten Taten, d.h. wenn es nicht zum Samenerguss im Körper kommt, werden auch Freiheitsstrafen verhängt.

 

18. Jh.: Unter dem Einfluss der Aufklärung wird die Todesstrafe nur noch bei Unzucht zwischen Mensch und Tier verhängt.

 

 

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