CHRONIK ZUR GESCHICHTE DER (MÄNNLICHEN) HOMOSEXUALITÄT IN KÖLN


 

 

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Plakat zu Rosa von Praunheims Film Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt (1971)

 

Was ist die G.L.F.? (aus: Rumpelstilzchen Nr. 1 vom 3.2.1972)

 

Flugblatt zur Eröffnung des ersten glf-Zentrums in der Dasselstraße (13.9.1974)

 

(1977)

 

Parteienbefagung in Bonn (12.6.1980)

(1980)

 

glf-Büchertisch auf der Schildergasse. Foto: CSG-Archiv (1982)

 

Protestflugblatt gegen ein die Homosexuellen diskriminierendes Gesetz in Großbritannien (1988)

 

 

 

DIE BUNDESREPUBLIK 1970 BIS 1990

 

1971 An zwei Abenden Vorführung des Rosa von Praunheim-Films Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation in der er lebt im City-Kino Ehrenstraße (26. und 27.11.). Wie in vielen anderen deutschen Städten initiierte dieser Film auch in Köln eine Diskussion über Lage der Homosexuellen, die die Gründung von Homosexuellengruppen zur Folge hatte; er gilt  seitdem als Initialzündung der neuen deutschen Schwulenbewegung.

1971 Erstes öffentliches Treffen der Gay Liberation Front (glf) Köln in den Räumen der Evangelischen Studentengemeinde (ESG) in der Bachemer Straße (2.12.).

 

1972 Wahl des ersten glf-Vorstands: Maurice de Clare, Lorenz Eckardt, Ralf Baumgarten, Peter Fürst, Wilfried Rommelaere (13.1.)

1972 Rumpelstilzchen, internes Mitteilungsblatt der glf erscheint erstmals (3.2.).

1972 Gründung der ersten, wenn auch kurzlebigen Kölner Lesbengruppe Homosexuelle Frauen-Aktion. Initiatorin: Gertraut Müller, gestorben 1999 in Berlin.

 

1973 Ein Kölner Schöffengericht spricht die Inhaber eines Zeitschriftenvertriebs vom Vorwurf der "Verbreitung unzüchtiger Schriften" frei. Begründung: Die Darstellung nackter Männer in einem Homo-Magazin sei so wenig unzüchtig wie die Darstellung nackter Frauen (11.1.). 

1973 Auf der Schildergasse machen erstmals mehrere Mitglieder der Homosexuellen Aktion Köln Passanten durch Plakate und Flugblätter auf die Probleme der Homosexuellen aufmerksam (15.1.).

1973 In Münster erste Schwulendemonstration in der BRD (29.3.).

1973 Die glf richtet eine Beratungsstelle ein (Herbst). 

 

1974 Eröffnung des glf-Zentrums in der Dasselstraße 2 (13.9.).

1974 Gründung des glf-Sozialwerks (Herbst).

 

1975 Erstmals Info-Tisch der glf und der SAK (Schwule Aktion Köln) auf der Schildergasse. Beabsichtigt ist, die Homosexuellen öffentlich sichtbar zu machen (Dezember).

1975 Walter (Wally) Bockmayer und sein Partner Rolf Bührmann eröffnen an der Zülpicher Straße die Filmdose.

 

1976 Nachdem der Vermieter die Räume in der Dasselstraße gekündigt hat (als Grund führt er "Lärmbelästigung" an), eröffnet die glf ihr neues Zentrum am Marienplatz 3-5 (5.6.).

 

1977 Nach mehrjähriger Pause erscheint wieder die Zeitschrift unter uns. Untertitel: "für Freundschaft und Toleranz", Schriftleiter Erwin Röll und Horst Beermann, herausgegeben vom Antinoos-Verlag, Köln (Mai).

1977 In der Cinemathek wird der Film Rosa Winkel gezeigt, die erste Dokumentation über die nationalsozialistische Homosexuellenverfolgung und den Kampf der Opfer um Entschädigung (24.5.).

 

1978 Mit Jutta Schlegel wird die erste Frau in den glf-Vorstand gewählt.

1978 Erstmals nehmen 120 Schwule offen an der Mai-Kundgebung des DGB teil (1.5.).

1978 Der SPD-Ortsverein Köln-Mitte nimmt einen Antrag an, in dem der Polizeibeirat aufgefordert wird, zu untersuchen, "ob es bei der Kölner Kriminalpolizei Karteien gibt, in denen Homosexuelle, ohne dass sie gegen Gesetze verstoßen haben, automatisch geführt werden". (12.9.)

1978 Die Anfrage des SPD-Ortsvereins Köln-Mitte (12.9.) bezüglich der Homosexuellenlisten der Kölner Kripo wird vom Polizeibeirat dahin beantwortet, dass es solche Listen nicht gebe. Der Verfasser des Antrags, Gerd Blömer, wird gleichzeitig von drei Kripo-Beamten und Polizeipräsident Hosse wegen Beleidigung angezeigt. In seinem Antrag hatte Blömer behauptet, die Kripo entsende "Spitzel" in Homotreffpunkte und bei Polizeibeamten gebe es "faschistische Ansichten" (Anfang November / 13.11.).

 

1979 Helmut Klein, einer der Hauptorganisatoren der frühen Kölner Lederszene und Mitgründer des "Motor-Sport-Club Köln" (MSC), eröffnet in der Stefanstr. 1 sein legendäres Lokal "Amtsschimmel" (heute "Teddy-Treff"). Klein stirbt 1992 in Aachen

1979 Nach Berliner Vorbild gründen sich die "Schwusos", die erste erste schwule Parteien-Gruppe in Köln (Januar). 

1979 Eröffnung des glf-Zentrums in der Roonstraße 59 (19.5.).

1979 Die SAK veranstaltet zum ersten Gay Freedom Day in Köln ein Fest auf dem ehemaligen Stollwerck-Gelände (30.6.).

1979 glf und SAK (Schwule Aktion Köln) organisieren eine Parteienbefragung zu den Kommunalwahlen (21.9.).

1979 Das Kölner Landgericht bestätigt das Urteil der ersten Instanz (vom 30.7.) gegen Gerd Blömer (> 12.9 und November 1978): Blömer wird wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe von DM 450 verurteilt. Die homosexuelle Öffentlichkeit, nicht nur in Köln, zeigt ihre Solidarität mit Blömer durch unterstützende Resolutionen und Spenden; der größte Teil der Presse kritisiert das Urteil (30.10.). 

1979 Erstes Lesben-Flugblatt wird in Köln verteilt (Herbst).

 

1980 Aus einer Volleyballgruppe entsteht der SC Janus als erster schwul-lesbischer Sportverein Europas (März).

1980  Militante Teile der Schwulen- und Pädobewegung sprengen in der Bonner Beethovenhalle durch andauernde Pfeifkonzerte und schließlich die Besetzung des Podiums eine Parteienbefragung (12.7).

1980 Herausgegeben von Jochen Saurenbach ("Schwule Aktion Köln" - SAK) erscheint erstmals der "Palmwedel", ab Heft 3 mit dem Untertitel: "1. Kölner Schwulenzeitschrift". Insgesamt erscheinen fünf Hefte (Herbst).

1980 Zum ersten Mal findet im glf-Zentrum "Alfreds Flohmarkt" statt (19.10.).

1980 Erstes Koordinationstreffen der Kölner Lesben- und Schwulengruppen in Hambach (23.11.).

 

1981 Erste Rosa Kulturwochen in Köln (5.-18.4.).

1981 Die "Kölnische Rundschau" weigert sich, eine schwule Kontaktanzeige zu veröffentlichen. Begründung: "Wir führen nämlich keine Rubrik Bekanntschaften" (22.5.).

1981 Gegen die Benennung einer Straße in Köln-Weiden nach Oscar Wilde gibt es erheblichen Widerstand eines Teils der Anwohner: sie wollen nicht in einer Straße wohnen, die nach einem Homosexuellen benannt ist (September).

1981 Gründung der Uni-Schwulengruppe "Die andere Fakultät" (Oktober).

 

1982 Beim AStA der Uni Köln wird ein "Autonomes Schwulen- & Lesbenreferat" eingerichtet.

1982 Erste schwul-lesbische Demo durch die Kölner Innenstadt (500 Teilnehmer und Teilnehmerinnen).

1982 Büchertisch der glf auf der Schildergasse

1982 Gründung der "Triviatas", des ersten schwulen Männerchors in Köln (Herbst).

1982 Eröffnung des schwulen Buchladens "Lavendelschwert" in der Bayardgasse (2.10.).

 

1983 Info-Tisch der glf-Frauengruppe auf der Schildergasse (29.1.).

1983 Die SAK tritt als erste Kölner Gruppe der International Gay Association (IGA, später ILGA) bei (März)

1983 Erstes Infoblatt von glf-Sozialwerk und Uni-Hautklinik zum Thema Aids (Juli).

1983 Das glf-Sozialwerk wird in den Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband aufgenommen (August).

1983 Kleiner Senat und Rektor der Uni Köln weigern sich, die "Andere Fakultät" als studentische Vereinigung der Hochschule anzuerkennen und damit ihre finanzielle Unterstützung durch den AStA zu ermöglichen (September).

1983 Das erste "Köln von hinten" erscheint. Erstmals wird die  Kölner Szene in ihrer ganzen Vielfalt beschrieben (Oktober).

 

1984 Die Kießling/Wörner-Affäre erregt die Öffentlichkeit. Besuchte der General die Stricherkneipe oder war's ein Doppelgänger? (Januar).

1984 Achtteilige Artikelserie des "Express": Homosexuelle '84 - Wie sie leben, wie sie lieben, wie sie leiden (9.-18.1.).

1984 Walter Bockmayer und sein Partner Rolf Bührmann eröffnen das "Theater in der Filmdose". Erste Produktion: "Die Geierwally", die (mit Gastspielen) mehr als 750mal gezeigt wird. Es spielen u.a. Veronika Ferres, Samy Orfgen, Dirk Bach und Ralf Morgenstern.

1984 Die Kölner Schwulen- und Lesbengruppen gründen die "Emanzipation" als Trägerverein eines Schwulen- und Lesbenzentrums (22.5.).

 

1985 Gründung der Aids-Hilfe Köln.

1985 Eröffnung des Schwulen- und Lesbenzentrums "Schulz" in der Bismarckstraße 17 (16.3.).

1985 Erste Frauen-Disco im Schulz (4.5.).

1985 Aus Anlass des 40. Jahrestages der deutschen Kapitulation Ansprache von Bundespräsident von Weizsäcker im Bundestag. Erstmals werden auch die Homosexuellen offiziell Opfer des Nationalsozialismus genannt (8.5.).

1985 "Homo cantat" - erstes europäisches Treffen schwuler Chöre in Köln (25.5.).

1985 Erste "Sappho-Kulturtage" (September).

1985 Gründung des "Bildungswerk der Kölner Schwulen- und Lesbengruppen" (Bildungswerk Emanzipation) (13.11.).

1985 Erster Frauentag im Schulz (17.11.).

 

1986 Die Aidshilfe Köln eröffnet ihr Beratungs- Und Informationszentrum am Hohenzollernring 48 (24.1.)

1986 Gründung des Kölner Frauengeschichtsvereins.

1986 Gründung des BVH ("Bundesverband Homosexualität") im Schulz (Oktober).

1986 Entstehung der Kölner Bisexuellengruppe (heute Uferlos e.V.) als Gesprächs- und Selbsthilfegruppe.

 

1987 Erste gemeinsame "Sappho - Rosa Kulturtage" (März).

1987 Gründung der Deutschen Aids-Stiftung Positiv Leben (Mai).

1987 "ILGA-Weltkonferenz" in Köln (29.6. bis 4.7.).

 1988 Georg Uecker wird in der Lindenstraße der erste schwule Serienstar.
1988 Drei Studenten gründen in der Limburger Straße den Condomi-Laden als  Deutschlands erstes Fachgeschäft für Erektionsbekleidung.
1988
In Rösrath protestieren anlässlich einer CDU- Veranstaltung hundert Demonstranten gegen den Staatssekretär im bayrischen Innenministerium, Peter Gauweiler, und dessen rigide Aidspolitik. Sieben Festnahmen (5.5.).
1988
Vor dem British Council in der Hahnenstraße demonstrieren etwa 30 Homosexuelle gegen Clause 28, ein von der britischen Regierung initiiertes Gesetz, das die Diskriminierung von Homosexualität als nicht gleichberechtigter Form der Sexualität in Großbritannien festschreibt (8.10.)
1988
Der "New York City Gay Men Chorus" bestreitet die erste schwule Veranstaltung im Gürzenich, Kölns "guter Stube" (3.9.).
1988
In der Kettengasse eröffnen Michael Schneidewind und Bernd Ide die Phoenix-Sauna, die erste einer Kette von gleichnamigen Betrieben in Köln, Düsseldorf und Essen (Oktober).
1988
Im Theater "Der Keller" Premiere von Martin Shermans Stück "Rosa Winkel" ("Bent"), das die Verfolgung der Homosexuellen durch die Nazis behandelt. In der Rolle des Wolf der damals noch am Anfang seiner Karriere stehende Till Schweiger (27.10.)

 

1989 Im Hauptgebäude der Universität erinnert der AStA durch eine aus Ulm entliehene Wanderausstellung erstmals in Köln an die nationalsozialistische Verfolgung homosexueller Frauen und Männer (Januar).

1989 Gründung des Vereins "Lila und Rosa Gehörlose Köln 1989 e.V.. Der Verein organisiert  Beratung und zahlreiche Aktiviäten für Mitglieder und Freunde an.

1989 Tuntenball im Sartory. Top-Act: Die Kult-Band "Village-People" mit ihrem Welthit "Y.M.C.A." (25.11.). 

 

 

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